Lars Müller stellt Qualitätsfrage

Kategorie: Erste Mannschaft
Veröffentlicht am Sonntag, 16. September 2012 20:52
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Den Spielertrainer ärgern nach neuerlicher Pleite die vielen Fehler

HAMM • Lars Müller hätte es sich leicht machen können. Der Spielertrainer des Fußball-Oberligisten Hammer SpVg hätte nach dem bitteren und unverdienten 1:3 (0:1) gegen den erstmals in dieser Saison siegreichen TuS Heven 09 auf die Personalnot verweisen können. Auf die Überlegenheit seiner Mannschaft und das Pech im Abschluss. Doch der stinksaure Ex-Profi redete lieber Tacheles, war nicht bereit, seinen Spielern ein Alibi zu liefern. „Irgendwann ist das auch eine Qualitätsfrage“, wetterte der 36-Jährige.

„Wir machen immer wieder die gleichen dämlichen Fehler. Das regt mich maßlos auf“, schimpfte Müller. „Alle müssen sich hinterfragen. Wir haben in jeder Woche Leute dabei, die weit weg sind von ihrer Normalform und von Oberliga-Form. Ich habe gedacht, dass wir weiter sind. Aber so kann man sich täuschen.“

Dabei waren die Gastgeber vor 450 Zuschauern in der Evora Arena sehr engagiert gestartet, wollten mit aller Macht die dritte Pflichtspiel-Pleite in Serie vermeiden. Obwohl die personellen Probleme kurzfristig noch größer geworden waren. Denn beim Aufwärmen verletzte sich Daniel Dick am Oberschenkel, Thomas Müller nahm seinen Platz auf der rechten Abwehrseite ein. Und die HSV erhielt früh einen weiteren Dämpfer, als David Nyenhuis nach einer Ecke von Tim Dosedal vollkommen unbedrängt aus fünf Metern einnicken durfte – weil die Zuteilung nicht passte, Sebastian Krug den Torschützen aus den Augen verlor und Torwart Alexander Kuschmann auf der Linie klebte (8.). Es sollte eine von zwei Möglichkeiten für die Wittener im ersten Durchgang bleiben. Die zweite hatte Volkan Kiral, als er an Kuschmann scheiterte (29.).

Ansonsten bestimmten die Hammer das Geschehen, investierten viel, auch wenn es dem Spiel an Struktur fehlte. Dennoch ergaben sich reihenweise gute Gelegenheiten für Lars Müller bei einem Versuch aus der Distanz (11.), Oliver Glöden per Kopf (17.), Robin Giersch mit einem Flachschuss (20.) oder Felix Backszat (45.). Die dickste Möglichkeit hatte Jochen Höfler. Nachdem Lars Müller Björn Sobotzki clever den Ball abgeluchst und flach in die Mitte des Hevener Strafraums gepasst hatte, zielte der Stürmer vollkommen freistehend aus kurzer Distanz drüber (36.). „Es gehört zum Fußball dazu, dass man die Chancen, die man hat, auch mal nutzt. Das ist auch eine Frage von Qualität“, so Lars Müller.

Immerhin: Elf Minuten nach dem Wechsel holten die Gastgeber Versäumtes nach. Backszat war nach einer Flanke von Lars Müller zunächst ins Straucheln geraten, rappelte sich aber wieder auf und traf aus sieben Metern zum hochverdienten Ausgleich (56.). Was folgte, waren der nächste personelle Nackenschlag, weil Glöden nach einem Pferdekuss das Feld räumen musste – und Pech für Lars Müller, dessen 25-Meter-Schuss der starke TuS-Keeper Marvin Weusthoff mit Mühe aus dem Winkel fischte (63.). Ihre defensive Naivität bezahlten die Hammer dann aber teuer, als sie die Gäste nach der folgenden Ecke förmlich zum Konter einluden. Nyenhuis legte den Ball mit viel Übersicht quer auf Maik Knapp, der ihn zum 1:2 ins leere Tor schon (64.).

Die Möglichkeiten zu reagieren gingen zur Neige. Mit der Einwechselung von Gianluca Greco zückte Lars Müller seine letzte Karte, setzte auf volles Risiko, machte in der Abwehr aus der Vierer- eine Dreierkette. Doch wirklich zwingend kam die HSV nicht mehr vor das Hevener Gehäuse – stattdessen entschieden die glücklichen Gäste die Begegnung in der Nachspielzeit endgültig nach einem weiteren Konter, den Ali Abou-Saleh abschloss (90.+4).

Zu diesem Zeitpunkt waren die Hammer schon in Unterzahl. Als der Unparteiische Michael Negri der HSV einen Vorteil weggepfiffen hatte, kochten die Emotionen hoch – und Backszat sah wegen vermeintlicher Schiedsrichter-Beleidigung die Rote Karte (90.). „Mein Gegenspieler hat mich angespuckt, da habe ich zu ihm gesagt: ‘Hast du sie noch alle?’ Der Schiedsrichter dachte wohl, ich meine ihn“, war Backszat fassungslos. Mindestens genauso wie Lars Müller nach der Vorstellung seiner Mannschaft. fh

HSV: Kuschmann – T. Müller (68. Greco), Prothmann, Krug, Giersch – Harder, Glöden (58. Salehi) – Backszat, L. Müller – Buschening, Höfler
Heven
: Weusthoff – Sobotzki, Keller, Heinrich, Witt – Kasumi, Lorenzen (68. Ujma) – Doesedal, Kiral (85. Golm), Knapp (76. Abou-Saleh) – Nyenhuis
Schiedsrichter
: Michael Negri (Marienfeld)
Zuschauer
: 450
Tore
: 0:1 Nyenhuis (8.), 1:1 Backszat (56.), 1:2 Knapp (64.), 1:3 Abou-Saleh (90.+4)
Rote Karte
: Backszat (90.) wegen Schiedsrichter-Beleidigung
Gelbe Karten
: Prothmann, Krug – Kasumi, Kiral, Dosedal

Quelle: Westfälischer Anzeiger



WA-Fotostrecke: Hammer SpVg - TUS Heven 09 1:3
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