„Keine Trainerdiskussion“

Kategorie: Erste Mannschaft
Veröffentlicht am Mittwoch, 03. Oktober 2012 09:41
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INTERVIEW HSV-Fußballchef Heusener sieht vielmehr das ganze Team gefordert

HAMM • Mit lediglich sieben Punkten aus den bisherigen sieben Saisonspielen hinkt die Hammer SpVg in der Fußball- Oberliga als Tabellen-14. den eigenen Erwartungen gewaltig hinterher. Und jetzt steht am Sonntag ausgerechnet das Duell im Heidewaldstadion beim FC Gütersloh an, der vom früheren HSVCoach Holger Wortmann trainiert wird. Warum es bislang nicht nach Wunsch bei der Hammer SpVg läuft und welche Ziele sich der Klub noch gesteckt hat, darüber sprach Patrick Droste mit Jens Heusenser, dem Fußball-Abteilungsleiter der HSV.

Herr Heusener, lässt sich die derzeitige Krise einzig und allein an den zahlreichen Ausfällen festmachen, die die HSV seit Saisonbeginn zu beklagen hat?
Heusener: Als Dauerausrede wollen wir dies auf keinen Fall gelten lassen. Fakt ist aber trotzdem: Momentan können wir nicht auf eine eingespielte Mannschaft zurückgreifen, immer wieder muss umgestellt werden. In der vergangenen Woche hatte Lars Müller zum Beispiel Rouven Meschede und Ferhat Cerci für das Spiel gegen Neuenkirchen eingeplant. Und dann fielen sie doch wieder kurzfristig aus. Dadurch sind wir in unseren Möglichkeiten eingeschränkt. Dennoch ist jetzt das Team gefordert. Alle müssen enger zusammenrücken und erkennen, was die Stunde geschlagen hat. Und da sind die Mannschaft und die Mannschaft drumherum gleichermaßen gefordert.

Was heißt das für das Spiel am Sonntag beim FC Gütersloh?
Heusener: Wir haben in der vergangenen Woche viel geredet und gesprochen. Das müsste jetzt jeder verstanden haben. Jeder hat sich jetzt zu zerreißen und für den anderen da zu sein. Es kann nur so funktionieren, wenn jeder eine Schüppe drauflegt. Die Manschaft braucht einfach ein Erfolgserlebnis. Fußball kann da nämlich manchmal so simpel sein. Und warum soll uns das nicht in Gütersloh gelingen? Daher ist es völlig zweitrangig, wo wir am Sonntag spielen und wer beim Gegner der Trainer ist. Wir brauchen einfach die drei Punkte.

Die Mannschaft kam im ersten Saisonspiel gut aus den Startlöchern, verlor dann aber im Derby bei Westfalia Rhynern mit 0:4. War diese Partie ein Knackpunkt?
Heusener: Rhynern war ja eigentlich erst das zweite Spiel, von daher dürfe das nicht richtungweisend gewesen sein. Aber das war keine Niederlage wie jede andere. In Lippstadt kann man schon mal mit 0:4 verlieren. Aber in Rhynern, das war eine andere Hausnummer. Zuerst hat das nicht jeder so gesehen, aber jetzt muss man sagen: Ja, das könnte der Knackpunkt gewesen sein.

In wie weit steht dabei Lars Müller als Trainer zur Disposition? Wie viel Zeit bekommt er noch, um die Trendwende einzuleiten?
Heusener: Wir tun uns da schwer, eine Deadline zu setzen. Wir sind nämlich weiter davon überzeugt, dass wir die Wende mit Lars schaffen. Er hat doch bisher noch nicht einmal die Chance gehabt, mit dem Team spielen zu lassen, mit dem wir in die Saison gehen wollten. Natürlich ist das sportlich nicht prall. Natürlich hinken wir hinter unseren Erwartungen her. Und natürlich haben wir viel Luft nach oben. Aber unser Trainer steht nicht zur Diskussion. Wir werden alle zusammen den Karren aus dem Mist ziehen.

Als Tabellen-14. steckt die HSV derzeit mitten im Abstiegskampf. Ist das nur eine Momentaufnahme oder befürchten Sie, dass Ihr Team dort unten länger verweilen wird?
Heusener: Stand heute haben wir nun mal lediglich sieben Punkte. Und daher müssen wir den Blick eher nach unten als nach oben richten. Alles andere wäre völlig blauäugig. Aber unser Ziel ist es nun, möglichst schnell und möglichst viele Zähler zu sammeln, um ein Polster zu den Abstiegsplätzen zu haben. Ich denke, der Sonntag ist richtungweisend.

Vor der Saison haben sie als Ziel einen einstelligen Tabellenplatz ausgegeben. Angesichts Ihrer durchaus hochkarätigen Neuverpflichtungen wurde der HSV von vielen Experten aber mehr zugetraut. Sehen Sie sich nun darin bestätigt, dass Sie mit Ihrer Einschätzung richtig lagen und dass für die HSV keinesfalls mehr möglich ist?
Heusener: Unsere erste Bürger- oder besser Vereinspflicht ist es im Moment, den Abstand nach unten zu vergrößern. Wenn wir das geschafft haben, dann können wir uns über andere Ziele unterhalten. Wir machen einen Schritt nach dem anderen. Aber ich bin davon überzeugt, dass unser Team stark genug ist, um unsere gesteckten Ziele zu erreichen. Aber dazu müssen alle fit sein. Und wir müssen in die Spur kommen und einen Lauf haben. Daher bewerte ich das späte 2:2 vom vergangenen Sonntag gegen Neuenkirchen durchaus positiv. Wir müssen nicht mit hängenden Köpfen herumlaufen, weil wir schon wieder verloren haben, sondern können glücklich sein, dass wir es noch geschafft haben, in letzter Minute ein Tor erzielt zu haben.

In einem Interview vor der Saison hat sich erstmals Achim Hickmann in der Öffentlichkeit geäußert und klar gemacht, dass er der starke Mann bei der HSV ist. Wie ist die Zusammenarbeit mit ihm in dieser sportlich schwierigen Situation?
Heusener: Ausgezeichnet. Wir sind im ständigen Kontakt und sind gleicher Meinung in der Beurteilung der Lage. Und es wird auch kein zusätzlicher Druck von ihm aufgebaut. Das wäre ja sonst so, als läge einer am Boden und man würde ihn noch weiter attackieren.

Quelle: Westfälischer Anzeiger