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„Selbstvertrauen ist im Eimer“

20121115Harder

INTERVIEW HSV-Kapitän Pascal Harder fordert nach Trainerwechsel mehr Herz

HAMM • Nach der Entlassung von Spielertrainer Lars Müller ist der Mannschaft der Hammer SpVg in der Fußball- Oberliga nun auch das letzte Alibi genommen. Warum die Spieler jetzt mehr als zuvor in der Verantwortung stehen und wie groß die Zuversicht ist, dass sich das Blatt im Hammer Osten noch zum Guten wendet, hat Kapitän Pascal Harder in einem Gespräch mit Patrick Droste verraten.

Herr Harder, haben Sie die Vorstandsentscheidung, Spielertrainer Lars Müller zu beurlauben, mit Verständnis oder mit Enttäuschung zur Kenntnis genommen?
Harder: Vor allem mit großer Überraschung. Denn wir wussten alle nichts davon. Mich hat diese Entscheidung aber schon sehr getroffen, denn ich schätze Lars als Mensch und auch als Trainer. Aber wenn der Erfolg ausbleibt, dann ist der Coach nun einmal das schwächste Glied in der Kette. Das ist von der Kreisliga bis in die Bundesliga überall so.

Woran lag es denn Ihrer Meinung nach, dass es bislang nicht nach Wunsch bei der HSV lief, dass das Team auf dem drittletzten Rang steht und in 13 Partien lediglich zwölf Tore erzielt hat?
Harder: Das ist eine gute Frage. Wenn wir darauf eine Antwort hätten, hätten wir die Fehler sicher schon längst abgestellt. Einen großen Teil haben sicher die vielen Verletzungen beigetragen. Wir hatten immer wieder Spieler, die mit kleineren oder größeren Wehwehchen ausflielen. Dadurch mussten wir Woche für Woche umstellen und manchmal auch Leute bringen, die kaum Spielpraxis hatten. Dadurch kam es immer wieder zu Abstimmungsproblemen, und es fehlten die Automatismen. Wir haben am Anfang der Saison sicher einige dumme Niedelrage kassiert. Und das hat sich dann wie ein roter Faden durchgezogen. Der Einsatz hat ja immer gestimmt bei uns, das kann uns keiner abstreiten. Aber wir müssen jetzt eben noch mehr ackern, uns noch mehr für den Verein zerreißen.

Was macht Sie denn zuversichtlich, dass es jetzt nach dem Trainerwechsel besser laufen wird?
Harder: Es besteht erst einmal kein Grund zur Panik. Es ist ja nicht so, dass es der vorletzte Spieltag der Saison ist und wir acht Punkte Rückstand haben. Die Liga ist unglaublich eng, so etwas habe ich noch nie erlebt. Der Abstand zu Rang vier beträgt zum Beispiel für uns lediglich zehn Punkte. Das ist nicht viel. Daher denke ich, dass wir immer noch einen guten einstelligen Tabellenplatz erreichen können. Aber wir müssen langsam mal damit anfangen zu gewinnen. Wir müssen jetzt von Woche zu Woche denken und unsere Punkte holen. Und ich glaube, das schaffen wir auch, denn in unserem Team steckt viel Potenzial. Und außerdem kann keine Mannschaft der Welt so lange Pech haben wie wir.

Lars Müller wird Ihnen dabei aber als Spieler fehlen. Seine Beurlaubung ist ja auch in spielerischer Hinsicht ein herber Verlust.

Harder: Das ist glücklicherweise nicht meine Aufgabe, mir darüber Gedanken zu machen, wie man das auffangen kann. Lars ist als Ex-Profi ohne Frage ein Spieler, der viel Erfahrung mitbringt. Und der viel Ruhe reinbringt. Aber ich denke, dass wir schon ein oder zwei Spieler haben, die diese Rolle übernehmen können. Letztlich hilft da kein Meckern, wir müssen damit leben.

Wenn Sie jetzt als verantwortlicher Trainer die sportlichen Geschicke Ihrer Mannschaft leiten müssten, was würden Sie anders machen?
Harder: Damit muss ich mich auch nicht beschäftigen. Und das werde ich auch nicht tun. Ich bin Spieler und konzentriere mich da voll und ganz auf meine Aufgabe.

Mit Sven Heinze steht nun ein sehr junger Coach zumindest für die nächsten vier Spiele in vorderster Front. Was schätzen Sie an ihm und welche Erwartungen knüpfen Sie an seinen Einstieg?
Harder: Natürlich hoffen wir alle, dass durch Sven neuen Schwung in die Mannschaft kommt. Als Trainer kenne ich ihn bislang noch nicht, der Kontakt bestand bislang nur aus kurzen Gesprächen, die man so führt. Aber ich denke, dass er ein zielstrebiger Trainer ist, der viel Wert auf einen Spielaufbau und auf ein gutes Passspiel legt. Und ob er jung oder alt, ob er Anfang 30 oder Ende 60 ist, das ist egal. Er hat jetzt das Sagen und die Macht, um entsprechend durchzugreifen.

Vor allem aber ist jetzt die Mannschaft in der Bringschuld. Ausreden gibt es nicht mehr.
Harder: Auf jeden Fall, wir sind es den Fans, dem Verein und auch Lars schuldig, dass wir jetzt Siege einfahren.

Allerdings ist die nächste Aufgabe alles andere als leicht. Denn die SpVgg. Erkenschwick, die am Sonntag in der Evora Arena gastiert, hat am vergangenen Sonntag Spitzenreiterv SG Wattenscheid 09 mit 5:0 besiegt. Ungünstiger kann der Start für Sven Heinze doch kaum sein, oder?
Harder: Das sehe ich anders. Uns ist es in der jetzigen Situation egal, wer kommt. Wir müssen einfach zeigen, was in uns steckt, was wir können und was wir wollen. Wir haben am vergangenen Sonntag die Partie der Erkenschwicker verfolgt. Die haben sicher gut und clever gespielt. Aber unschlagbar sind die auch nicht. Wie gesagt, die Liga ist total ausgeglichen, da können wir als Drittletzter durchaus ein Team wie Erkenschwick bezwingen. Derzeit ist unser Selbstvertrauen noch ein bisschen im Eimer, aber wenn man erst einmal ein oder zwei Spiele gewonnen hat, dann fallen die Siege drei und vier leichter. Leider haben wir derzeit jedoch das Pech, dass wir keine Tore machen. Wenn du oben stehst und einen kassierst, dann schießt du eben noch zwei oder drei Treffer selbst. Bei uns dagegen ist es so, dass wir nach dem ersten dann noch das zweite Gegentor bekommen. Die Verunsicherung ist einfach sehr groß. Dabei haben wir viel Potenzial in der Mannschaft, haben gerade im Spiel nach vorne mit Leuten wie Jochen Höfler richtig Qualität. Aber wir haben die Seuche am Fuß. Daher müssen wir noch mehr ackern.

Nach der Partie gegen Erkenschwick folgen noch die Spiele gegen Schermbeck, Westfalia Herne und RW Ahlen – alles Mannschaften, die nicht zur Spitzengruppe der Oberliga gehören. Ist das ein machbares Restprogramm für dieses Jahr?
Harder: In unserer Lage dürfen wir keinen Gegner unterschätzen oder auf die leichte Schulter nehmen. Bis Weihnachten müssen wir zusehen, dass wir jedes Spiel gewinnen und so viele Punkte wie möglich zu holen, um da unten rauszukommen. Das sind wir allen schuldig.

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